Andacht Ostern 2026

05. April 2026 | Andachten

Liebe Ostergemeinde,

manchmal sucht man etwas – und findet es absolut nicht.

Dass die Suche vergeblich bleibt, haben wir alle schon einmal erlebt.

Doch meistens haben sich die Dinge ja nicht einfach in Luft aufgelöst. Am Ende findet man sie

doch. Witzigerweise an den Stellen, die gar nicht mal so weit weg sind:

Die Brille findet sich auf der Nase, der Stift hinterm Ohr, und der Schlüssel liegt einfach tief

vergraben in den Falten der Tasche. Wie erleichtert ist man, wenn man die gesuchten Dinge

wiederfindet.

Die Frauen, die am Ostermorgen an das Grab Jesu gingen, suchten Jesus. Aber dort, im Grab

finden sie den Leichnam Jesu einfach nicht.

Das bringt sie ziemlich aus dem Konzept.

Da stehen sie nun in der leeren Grabhöhle, mit ihren Salbendosen in den Händen, ratlos.

Den toten Körper ihres Freundes und Meisters wollten sie salben. Doch er ist weg, sie finden

ihn nicht.

Dort, im Grab, suchen sie tatsächlich vergeblich nach Jesus. Das machen ihnen die beiden

Engel dann klar mit den Worten:

„Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lk 24,5.6)

Dort, im Grab, werden die Frauen Jesus nicht finden.

„Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden. – He ist not here, for he is risen.“

Diese Worte in englischer Sprache sind fett auf ein Holzbrett geschrieben. Das Holzbrett hängt

in Jerusalem, am sogenannten „Gartengrab“.

Die anglikanische Kirche betreut dieses Gelände.

In einem Felsen ist eine Grabhöhle eingehauen. Die Tür dazu steht offen, und an der Tür hängt

das Holzbrett mit dieser Botschaft.

Vor 15 Jahren besuchte ich mit einer Seminargruppe dieses Gartengrab in Jerusalem.

Diese wenigen Worte auf einem Holzbrett neben einem leeren Grab – sie berührten mich

damals weit mehr als all der Prunk einer Grabeskirche.

Ich konnte die Vergeblichkeit des Suchens nachempfinden, und die Verwunderung darüber,

was da wohl geschehen sein mag. So fühlte ich mich den Frauen am ersten Ostermorgen nah.

Doch die Botschaft war und ist unmissverständlich: Im Grab suchen wir Jesus an der ganz

falschen Stelle.

Die meisten von uns gehen regelmäßig auf den Friedhof.

Und ich frage mich: Was suchen wir hier?

Suchen wir Frieden für unsere Seele?

Suchen wir einen Ort, wo wir andere treffen, die wissen, wie sich Traurigkeit anfühlt?

1Wir schmücken die Gräber unserer Lieben. Und vielleicht schauen wir auch bei Bekannten

vorbei.

Doch unsere Besuche hier sind nur vorläufig. Sie sind nicht das Ende der Beziehung.

Ich persönlich gehe manchmal einfach auf den Friedhof, um meinen Großeltern „Hallo“ zu

sagen. Und bisher waren sie immer „zuhause“.

Vermutlich würde ich riesige Augen machen, wenn dort am Grabstein meiner Oma ein

Holzbrett lehnen würde mit der Botschaft: „Sie ist nicht hier, denn sie ist auferstanden.“

Dann wäre ich wohl vergeblich auf den Friedhof gekommen.

Heute, am Ostermorgen, sind wir vermutlich aus genau diesem Grund hierhergekommen:

Um über Jesus zu hören: „Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden.“

Die Frauen am Ostermorgen suchten Jesus vergeblich im Grab. Doch eigentlich ist ja genau

diese Vergeblichkeit unsere Hoffnung. Denn das Grab Jesu war leer.

Noch zu Lebzeiten hatte Jesus gesagt:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er

stirbt.“

Weil Jesus auferstanden ist, ist das unsere Hoffnung: auch eines Tages das Reich des Todes zu

verlassen, die Gräber hinter uns zu lassen, so wie Jesus.

Das gilt auch für diejenigen, die wir hier auf dem Friedhof im Glauben beerdigt haben.

Es ist eine Hoffnung, die nicht unter einem Grabstein begraben wird, sondern in dem ewigen

Morgen Gottes aufgeht.

Weil die Frauen Jesus vergeblich im Grab suchten.

Daher möchte ich Sie heute morgen eigentlich gerne wieder wegschicken. So, wie die Engel

am Ostermorgen auch die Frauen wieder wegschickten.

Denn sie fanden Jesus nicht. Und daher werden wir eines Tages auch die, die im Glauben an

Christus gestorben sind, nicht mehr hier finden.

Das ist Gottes Versprechen und unsere Hoffnung. Auch wenn das merkwürdig klingt.

Heute, zum Ostermorgen, treffen wir uns auf dem Friedhof. Damit zeigen wir: Der Tod ist nicht

das Ende. Das Grab ist nicht unsere letzte Ruhestätte.

Unsere Toten werden auferstehen, denn Jesus Christus liegt nicht mehr im Grab.

Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Den Lebenden bei den Toten zu suchen bleibt vergeblich, und das ist die beste Botschaft der

Welt.

Amen.

Bibeltext

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