Ps 104 Predigt Erntedank 27. September 2026
Ps 104* Gottes wunderbare Welt
1Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du!
5Du hast die Erde auf ihre Pfeiler gesetzt.
Sie wird niemals wanken – zu keiner Zeit.
10Quellwasser schickst du die Täler hinab.
In Bächen fließt es zwischen den Bergen dahin.
11Alle Tiere auf dem freien Feld trinken daraus,
auch die Wildesel löschen dort ihren Durst.
13Aus den Wolken um deinen Palast
lässt du Regen auf die Berge niedergehen.
Wind und Wetter, die du gemacht hast,
schenken der Erde ihre Fruchtbarkeit.
14Für das Vieh lässt du Gras wachsen
und Getreide für den Ackerbau des Menschen.
So kann die Erde Brot hervorbringen
15und Wein, der das Menschenherz erfreut.
So gibt es Salböl für ein glänzendes Gesicht
und Nahrung, die das Menschenherz stärkt.
19Den Mond hast du für die Festzeiten gemacht.
Die Sonne weiß, wann sie untergehen soll.
20Schickst du Finsternis, dann wird es Nacht.
Nun regen sich alle Tiere in den Wäldern.
21Die jungen Löwen brüllen nach Beute,
sie fordern etwas zu fressen von Gott.
22Geht die Sonne auf, ziehen sie sich zurück
und ruhen sich aus in ihren Verstecken.
23Nun macht sich der Mensch ans Werk
und tut seine Arbeit bis zum Abend.
25Da ist das Meer, so groß und unermesslich weit.
Dort wimmelt es von Lebewesen ohne Zahl –
von kleinen und großen Meerestieren.
26Dort ziehen Schiffe ihre Bahn –
auch der Leviatan, den du geschaffen hast.
So kann er im Meer sein Spiel treiben.
27Mensch und Tier halten Ausschau nach dir,
damit du ihnen Essen gibst zur richtigen Zeit.
28Du gibst es ihnen, sie sammeln es auf.
Du öffnest deine Hand, sie essen sich satt
an deinen guten Gaben.
29Wendest du dich ab, erschrecken sie.
Nimmst du ihnen den Lebensatem,
dann sterben sie und werden zu Staub.
30Schickst du deinen Lebensatem aus,
dann wird wieder neues Leben geboren.
So machst du das Gesicht der Erde neu.
24Wie zahlreich sind deine Werke, Herr.
In Weisheit hast du sie alle gemacht.
Die Erde ist voll von deinen Gütern.
31Die Herrlichkeit des Herrn bleibe für immer.
Der Herr freue sich über seine Geschöpfe.
Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
a) „Von mir – für euch.“ So lese ich auf dieser Karte, die Sie gerade ausgeteilt bekommen haben. https://shop.marburger-medien.de/shop/images/products/media/PK332.pdf „Von mir – für dich“, sagt man, wenn man jemandem etwas anvertraut. Auf dieser Karte ist es Gott, der diese Worte spricht. Auf der Karte sehen wir unsere Erde. Gott gibt sie uns als einen Ort, an dem wir leben können. Er vertraut sie uns an. So ist die Botschaft der Karte.
Ich schaue mir das Bild einmal etwas genauer an. Es ist eine künstlerische Gestaltung. Ein solches Foto könnte man nicht machen. Es zeigt unsere Erde im Weltall schwebend. Sterne umgeben sie. Und um sie herum leuchtet ein blauer Nebel. Das Licht der Sonne fällt von links her ins Bild. Wir sehen die Kontinente. Wir sehen Meere, Wüsten, grüne Landschaften, Wolken. Unser Platz im Weltraum.
Mit welchen Augen sehen wir unsere Erde an? Was ist sie für uns? Menschen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was die Erde für uns Menschen ist und was das Leben auf ihr bedeutet. Die Karte zeigt uns eine davon.
b) Im Psalm 104 sehen wir eine weitere. Wir haben vorhin den Psalm zusammen gesprochen. Man könnte fast sagen, er ist wie eine Antwort auf diese Karte. Denn in diesem Psalm spricht ein Mensch und richtet seine Worte an Gott. Wenn jemand einem anderen etwas anvertraut, dann bedankt er sich. Und wenn er sich richtig über die Gabe freut, dann ist der Dank umsoherzlicher. Und einen solchen Dank finden wir in Psalm 104.
Der Dichter dieses Psalms wusste noch nicht, dass die Erde eine Kugel ist. Aber ansonsten beschreibt er mit anrührenden Worten, was er auf dieser Erde alles wahrnimmt und erlebt.
Da ist der lebensspendende Wasserkreislauf. In der Grundschule wird er im Unterricht behandelt. Da habe ich ihn mit meiner Tochter gelernt. Wasser verdunstet über dem Meer. Die Wolken bringen es über das Land. Der Regen feuchtet die Erde. Als Quellwasser tritt er auch wieder hervor. Wo Wasser ist, da ist Leben auf unserer Erde. Lobe den Herrn, meine Seele.
Dann beschreibt der Beter die Fruchtbarkeit der Erde. Tiere und Menschen leben davon. Und sie überleben nicht nur. Sie können und sollen das Leben genießen, durch Früchte, Brot, Wein und Öl. Lobe den Herrn, meine Seele.
Dann rücken Sonne und Mond ins Blickfeld. Sie sind die Taktgeber für das Leben auf der Erde. In der Nacht sind viele Tiere aktiv. Auch die Raubtiere wie der Löwe. Der Löwe ist bewundernswert. Doch der Beter sieht einen Segen darin, dass er vor allem nachts aktiv ist. Am Tage ist der Mensch aktiv und geht seinen Geschäften nach. Tag und Nacht strukturieren das Leben. Lobe den Herrn, meine Seele.
Dann ist das Meer dran. Unbegreiflich und unermesslich ist es für den Beter. Selbst bis heute ist das Meer in großen Teilen noch gar nicht erforscht. Der Beter staunt auch über die Seefahrt. Denn antike Menschen fürchteten sich vor Seeungeheuern. Doch der Beter bewundert sie. Auch diese Wesen sind von Gott gewollt. Mit ihrem Spiel im Wasser ehren sie Gott. Lobe den Herrn, meine Seele.
Schließlich erkennt der Beter, dass auch der Kreislauf des Lebens von Gott eingesetzt ist. Ja, sogar die Vergänglichkeit, das Aufblühen und Verwelken der Pflanzen und das Geboren werden und Sterben von Menschen und Tieren. Selbst darin erkennt er Gottes schöpferische Macht, die so die Gestalt der Erde immer wieder erneuert. Staunend lobt und preist der Dichter Gott.Lobe den Herrn, meine Seele.
Der Dichter war ein aufmerksamer und neugieriger Beobachter der Natur. Dabei ist die Erde für ihn kein Gegenstand, den er einfach untersucht und beschreibt. Ihm geht es um Gott. In allem, was er in der Natur beobachtet, sieht er Gott, den Schöpfer,am Wirken. Gott hat die Erde für ihn zu einem lebens- und liebenswürdigen Ort gemacht.
c) Doch gilt das auch heute noch angesichts des Klimawandels und der Naturkatastrophen? Wir hatten in der letzten Woche einen Anruf von einer Journalistin. Sie wollte gerne ein Interview zu der Frage: Ob man denn angesichts des Hitzesommers und seiner Folgen überhaupt noch Gott danken könne? Das Interview hat dann meine Frau mit ihr gemacht.
Ich stelle mir einmal vor, was der Sänger aus Psalm 104 geantwortet hätte. Ganz sicher hätte er sein Lob nicht geschmälert und auch Gott nicht in Frage gestellt. Denn dass die Kräfte der Natur das Leben gefährden können, wusste auch damals schon jeder Mensch.
Trotzdem lobt der Beter Gott. Denn er sieht Gottes Segen auch durch schlimme Naturereignisse nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Gottes Versprechen, dass Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter bis zum Ende der Erde bestehen bleiben, hatte Bestand. Eine Katastrophe hatte immer lokal begrenzte Auswirkungen. Oft haben die Menschen in ihnen sogar göttliche Zeichen gesehen. Das fällt uns dagegen heute schwerer, da wir die Zusammenhänge der Natur besser verstehen können.
Dass die Menschen unter dem Klimawandel leiden, wäre für ihn vielleicht ein Zeichen für Gottes Zorn gewesen. Gott lässt die Menschen die Konsequenzen ihres Handelns tragen. Und doch hält Gott der Erde die Treue und lässt wachsen und gedeihen.
So hätte der Beter für den Segen gedankt, den Gott trotz der Hitze gegeben hat. Und – je nach persönlicher Betroffenheit –hätte er wohl auch Gott sein Leid geklagt. Denn das schließt das Lob nicht aus.
d) „Von mir – für euch“, so sagt Gott auf der Karte. Gott schafft Himmel und Erde. Und die Erde ist unser Lebensraum. Wir teilen ihn uns mit vielen anderen Lebewesen. Wir sind ein Teil des großen Organismus der Natur. Doch anders als Pflanzen und Tiere betraut uns Gott auch mit der Verantwortung für die Erde.
Wie können wir unserer Verantwortung gerecht werden?
Psalm 104 enthält keinerlei Aufforderung, so oder so zu handeln. Da gibt uns die Bibel an anderer Stelle konkretere Auskunft. Das Einzige, was der Beter hier zu sich selbst sagt, ist: Lobe den Herrn, meine Seele.
Das will ich mir zu Herzen nehmen. Ich will einstimmen in dieses großartige Lob Gottes. Damit rücken sich die Dinge wieder zurecht. Ich kann Gott als Schöpfer danken und loben. Ich kann über den Wasserkreislauf staunen und in dieser Genialität eine Spur Gottes erkennen. Ebenso im Rhythmus von Tag und Nacht, von Wachsen und Vergehen.
Ich kann auf den Segen Gottes vertrauen, den er Jahr für Jahr gibt, solange wie die Erde besteht. Und ich erkenne mich selbst als Teil der Erde. Als Geschöpf. Mit Verantwortung. Lobe den Herrn, meine Seele. Wenn ich in dieses Lob einstimme, dann werde ich auch – nach meinem Vermögen – verantwortlich mit der Natur umgehen. Denn was man liebt, das macht man nicht kaputt.
e) „Von mir – für euch“, sagt Gott.
Auf der Rückseite der Karte können wir noch etwas weiterlesen:
„Gott spricht: Meine Erde. Eure Erde. Unsere Erde. Ich habe sie geschaffen. Ich habe sie euch zur Heimat gegeben. Freut euch an ihr und passt auf sie auf.
Mein Versprechen gilt: Solange die Erde besteht, soll es immer Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht geben.“
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen







