Andacht 11.01.2026

12. Januar 2026 | Andachten

Siehe, ich mache alles neu. (Offb 21,5) – Predigt zur Jahreslosung 2026

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn

Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

in der neuen Jahreslosung sagt Gott: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb

21,5). Ich weiß nicht, ob Sie gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst haben.

Gott hat sich damit jedenfalls ziemlich viel vorgenommen: alles neu zu

machen.

Wenn ich so überlege, was alles neu werden könnte, fallen mir eine Menge

Dinge ein. Zum Beispiel eine neue Waschmaschine. Gegen einen neuen

Laptop hätte ich auch nichts. In unserer Kirche ist in der Heizungsanlage

ein neues Teil eingebaut worden, so dass sie wieder funktioniert – Gott sei

Dank. Denkt man weiter, sind vielleicht auch neue, unbelastete

Beziehungen oder neue Freunde, die das Leben fortan bereichern,

erstrebenswert. Und ab einem gewissen Alter ist eine neue Hüfte auch

nicht zu verachten.

Das sind alles Dinge, um die wir Gott bitten können. Auch dieser Anliegen

nimmt er sich an und hört das, was wir ihm sagen.

Die Jahreslosung stellt das Neumachen Gottes noch einmal in einen

größeren Rahmen. Daher ist es hilfreich, wenn wir uns anschauen, wo in

der Bibel Gott diesen Satz spricht.

Die Jahreslosung findet sich im letzten Buch der Bibel, in der

Offenbarung. Diese Bilder und Worte hat Gott dem Seher Johannes (nicht

verwechseln mit dem Evangelisten) offenbart. Es geht um die Geschichte

der Erde und wie sie auf das Ende aller Zeiten zurollt. Gute Phasen

wechseln sich ab mit Zeiten, in denen das Böse fast ungehindert sein

Unwesen treibt. Doch dann, in Kapitel 21, im vorletzten Kapitel der

gesamten Bibel, beschreibt Johannes die neue Welt, wie Gott sie ihm

gezeigt hat. Es ist wie ein Schlussakkord, wie ein Foto von der Welt, wie sie

am Ende sein wird. Besser und mehr geht dann nicht. Johannes findet dafür

folgende Worte:

1Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste

Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem

1Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren

Mann.

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe

da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen,

und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr

Gott sein; 4und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und

der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz

wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er

spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6Und

er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang

und das Ende.

Das Neue, das hier beschrieben wird, steht im starken Kontrast zu dem,

was die Welt und die Menschen vorher durchmachen müssen. Die

Offenbarung beschönigt nichts, sie spricht von chaotischen,

katastrophalen Zuständen. Dagegen setzt Gott persönlich sein Wort.

Spannenderweise redet Gott hier, zu unserem Jahreslosungsvers, das erste

Mal seit dem ersten Kapitel der Offenbarung wieder persönlich und direkt.

Alles, was Johannes dazwischen erfährt, wird ihm von einem Engel

mitgeteilt. Doch jetzt heißt es: „Er, der auf dem Thron saß.“ – das ist Gott

höchstselbst.

Im Zentrum dessen, was hier neu wird, steht die enge, regelrecht

aufgefrischte Beziehung zu Gott. Darum herum ordnet sich die neue Welt.

Es ist das letzte Mal, das Gott etwas neu machen wird. Schaut man in die

Geschichte, dann gab es schon einmal einen ersten Durchgang, um die

Welt neu zu machen.

Einen Hinweis darauf gibt dieser Bibeltext, wenn es gleich im ersten Vers

heißt: „… und das Meer ist nicht mehr.“

Schon damals, zu Noahs Zeiten, wollte Gott alles neu machen. Auch

damals waren die Zustände chaotisch, das Trachten der Menschen war

böse von Grund auf. Gott hoffte, er könnte noch einmal neu anfangen,

sozusagen den Resetknopf drücken und die Welt auf die Werkseinstellung

zurücksetzen. Neu anfangen, ohne die Fehler der Vergangenheit. In der

Hoffnung, dass die Welt und mit ihr die Menschen dann einen besseren

Lauf nehmen mögen. Und so zerstörte Gott die Erde mit der Sintflut. Alles

Böse sollte weggeschwemmt werden. Nur Noah, seine Familie und die

2 Tiere in der Arche blieben am Leben.

Doch die Bosheit im Menschen war geblieben. Wenn alles neu gemacht

werden sollte, dann musste das anders gehen. Nicht, indem Gott alles auf

Anfang setzt, sozusagen eine rückwärtsgewandte Veränderung anstrebt.

Sondern es brauchte eine echte, zukunftsorientierte Veränderung, die er

selbst bewirkte. Daher bekräftigte Gott seine Treue zu uns Menschen trotz

unserer Bosheit.

Gott wandte sich den Menschen zu. Diese Liebe und Zuwendung

wurden schließlich unumkehrbar, als Gott seinen Sohn Jesus Christus auf

die Erde sandte. Genauer gesagt: Der wirkliche Wendepunkt war die

Auferstehung, damals, als Gott Jesus aus dem Tod herausrief.

Das erste Osterfest war wie ein Spoiler. Liebe Gemeinde, Sie kennen das:

Wenn irgendwo zum Beispiel ein spannendes Buch rezensiert wird, steht

manchmal gleich zu Beginn eine sogenannte Spoilerwarnung: „Achtung,

wenn Sie diesen Artikel lesen, wissen Sie, wie die Geschichte ausgeht.“

Nun haben die Evangelisten keine Spoilerwarnungen ihren Evangelien

vorangestellt. Doch der Sache hätten sie es tun können.

Als Jesus von den Toten aufstand, war das nicht nur ein Bild, wie es einmal

sein könnte. Sondern es war das Ende der Geschichte. In Jesus war es

vorweggenommen. Ostern macht das Ende dieser Welt und auch unseres

Lebens bekannt. In der Auferstehung Jesu geschieht schon dieses Ende. Es

ist wirklich geschehen. Und für jeden, der an Christus glaubt, ist das die

Wirklichkeit. Der Blick in das leere Grab am Ostermorgen ist sozusagen der

Spoiler für unser eigenes Leben.

Das Böse tragen wir immer noch in uns. Daran hat sich seit Noah und der

Sintflut nicht viel geändert. Doch um alles neu zu machen, wählte Gott

nicht mehr den Weg der Zerstörung. Er wählte den Weg der Liebe, um

unsere Herzen zu verändern und die Welt besser zu machen. Am Kreuz

starb Jesus für das Böse, das wir tun. Gott zerstörte nicht die Menschen,

sondern er zerstörte die Sünde. Er vergab sie und machte sie so null und

nichtig. Mit Liebe begegnete er unserer Bosheit. So begann er, die Welt neu

zu machen, so, dass sie mehr seinen Vorstellungen entspricht. Denn das

ist das Ziel all dessen, was Gott tut: eine Welt zu erschaffen, die ihm ganz

entspricht, eine Welt ohne Not, ohne Schmerz und ohne Tränen.

In dem ewigen Leben, dass Gott Jesus und damit auch uns schenkt, in

dieser Liebe und Barmherzigkeit kommt die Welt schließlich zu ihrem Ende.

Zu einem glücklichen Ende.

Nun sitzen wir hier noch ziemlich quicklebendig beieinander. Wie

kriegen wir das zusammen, dass sich im ersten Osterfest das Ende der

Welt schon ereignet hat, aber wir noch leben? Und was machen wir in der

Zwischenzeit?

Zunächst einmal: Gottes Wort ist zuverlässig. Gott ergreift selbst noch

einmal das Wort und bestätigt: „Es ist geschehen.“ (Offb 21,4) Obwohl der

Seher Johannes einen Blick in die Zukunft werfen darf, spricht Gott hier

wörtlich im Perfekt. Nicht „so wird es einmal sein.“ Sondern: „Es ist schon

passiert.“ Es wird so sicher eintreten, dass es als schon geschehen

formuliert werden kann. An diesem Ende gibt es nichts mehr zu rütteln.

Dazu kommt ein zweites: Wer unter uns mit der englischen Sprache

vertraut ist, der kann die Jahreslosung auch mit der englischen

sogenannten Verlaufsform verstehen. Ins Deutsche übersetzt wäre das das

Partizip, Beispiel: „Ich bin predigend.“ Sagt nur im Deutschen kaum mehr

einer. Verständlicher ist es zu sagen „Ich bin gerade dabei zu predigen.“ So

verstehe ich auch diesen Satz unserer Jahreslosung, und so hat auch die

English Standard Version diesen Vers übersetzt: „I am making all things

new.“ Gott ist gerade dabei, alle Dinge neu zu machen. Jetzt, in diesem

Moment. Das Neue ist schon angebrochen, nur noch nicht vollendet. Durch

Gottes Wort und Wirken wird schon in diesem Moment alles neu.

Gott ist dabei, unseren nächsten Schritt im Leben vorzubereiten. Gott ist

dabei, uns innerlich so darauf einzustellen, dass wir für andere zu

Freunden werden. Gott ist dabei, unsere Wunden zu heilen. Das

Fertigwerden, so dass alles neu geworden ist, dauert noch etwas. Aber Gott

sagt: „Sieh hin, sei aufmerksam – ich bin schon dabei.“

„Siehe, ich mache alles neu.“ Das ist Gottes guter Vorsatz, nicht

unbedingt nur für dieses Kalenderjahr. Wir haben gesehen: Diesen Vorsatz

setzt er schon seit der Auferstehung Jesu Christi vor 2000 Jahren um. Doch

für dieses Jahr haben wir es von ihm noch einmal schriftlich. Gott ist dabei

und macht alles neu. Und ich bin gespannt darauf, was von dem großen

Wort „alles“ ich in diesem Jahr als neu-gemacht entdecken werde.

Vielleicht liegt ein Knistern in der Luft, ein Gefühl der Vorfreude und

Ungeduld. Eine Ahnung von einer anstehenden Veränderung.

Gott hat das letzte Wort, und damit wird er uns positiv überraschen.

Und der Frieden Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre

unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

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