Andacht 30.06.2024

30. Juni 2024 | Andachten

 


Predigt vom 30.06.2024


1

Hinführung zur Predigt 

Im Evangelium des heutigen Tages geht es um Petrus, der Stein, auf dem die Kirche gebaut wurde. Es geht um seine Bereitschaft, sich in Bereitschaft auf Jesus einzulassen.

Wir werden in der Lesung des Evangeliums die Erzählung von dem Fischzug des Simon Petrus hören, wie sie der Evangelist Lukas berichtet. 

Dieser Erzählung voraus geht ein Bericht über Jesu Tätigkeit in Kapernaum. Darin erzählt der Evangelist Lukas, wie Jesus in das Haus des Simon Petrus kommt und dort die Schwiegermutter des Fischers heilt. Zwischen der Heilung und dem Fischzug des Simon Petrus liegt eine unbekannte Zeit, in der Jesus noch woanders alleine umherzog, um zu heilen und zu lehren.

Nun kommt also dieser Jesus, der zuvor seine Schwiegermutter heilte, eines morgens wieder zurück. Petrus hatte eine schwere Nacht. Er war in der Nacht auf dem See gewesen, aber er und seine Männer haben nichts gefangen. Nun sitzen sie am Strand und waschen die Netze. Denn so müde Petrus auch sein mag. Er und seine Männer haben eine Familie zu ernähren. Da kann man sich nicht zum Schlafen legen, bevor die Arbeit gemacht ist. Denn nur wenn die Netze sauber sind, haben sie am nächsten Tag wieder eine Chance auf einen Fang, nur wenn sie die Netze stetig pflegen, können sie die Netze auch noch lange verwenden. Das muss gemacht werden, egal ob man müde oder wegen des Misserfolges schlecht gelaunt ist.

Nun kommt also dieser Jesus wieder. Nach der langen Zeit der Wanderung war sein Gewand staubig. Hatte er eine Chance gehabt sich oder sein Gewand zu waschen? Vielleicht roch er streng.

Aber als er in das Fischerboot steigt und Petrus bittet, ihn auf den See zu fahren, damit er predigen könne, zögert Petrus nicht. Schließlich war er ihm zum Dank verpflichtet. Und er rudert ihn hinaus und hört die Predigt mit an. 

Und als Jesus nach der Predigt dem Simon Petrus sagt: 

„Fahre hinaus, wo es tief ist, und wirf mit deinen Männern die Netze zum Fang aus!.

Da zögert Petrus. Er weist Jesus daraufhin, dass die Anweisung nicht einleuchtet. Schließlich fischt man nachts mit größtem Erfolg. Schließlich sind seine Männer noch müde, erschöpft und unkonzentriert. Schließlich ist Jesus nicht nur ein Stadtmensch, er kommt auch noch aus dem Gebirge – was weiß er schon vom Fischen?

Aber Petrus ist bereit Jesus zu vertrauen. Er sagt: ich mache das nicht, weil es sinnvoll erscheint, sondern weil du, Jesus, es bist, der das sagt. Hat er die Heilung im Hinterkopf, ist er eingeschüchtert oder beeindruckt, weil Jesus so predigt wie ein gelehrter Mann? Vielleicht weiß er ja wirklich mehr von der Welt, als er der einfache Fischer. 

Petrus wirft also die Netze aus. Langsam setzen sie sie aus und kreisen die Fische ein. Es sind viele. Zu viele für die Netze. Er braucht Hilfe. Aber wenn er laut ruft, flüchten die Fische. Deshalb winkt er das andere Boot heran, damit sie helfen, den Ring um die Fische zu schließen und den Fang an Bord zu nehmen. Die Boote sinken fast, so voll sind sie von Fisch. Das konnte, das durfte eigentlich nicht passieren. Denn Fische lassen sich tagsüber nicht fangen, dann sind sie unten am Grund des Sees. Hatte Jesus von dem Wunder gewusst? Hatte er die Fische oben schwimmen lassen? 

Nein, dieser Mensch, war kein gewöhnlicher Mensch. Er heilte Kranke und er kennt die Geheimnisse der Natur.

Da wirft sich Petrus vor Jesus zu Boden und spricht ihn mit einer Formel an, wie sie göttlichen Wesen vorbehalten ist: 

„Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“

Er fleht Jesus an, ihn zu verschonen. Er erkennt in Jesus Gott. Und wie man in Israel nach den Ereignissen am Sinai wusste, kann die Gegenwart Gottes töten. Petrus bekennt sich seiner Sündigkeit. Die Gegenwart Gottes deckt die Sünde auf und vor Gott ist Sünde gefährlich, weil man nie weiß, ob sie bestraft wird.

Petrus erkennt in Jesus Gott und spricht ihn entsprechend an und Jesus antwortet, mit den Worten von Engeln, von Götterboten: „Fürchte dich nicht!“

Fürchte nicht um dein Leben, fürchte nicht Strafe für deine Sünden, denn ich zeige dir einen Weg auf.

Evangelium:

Lektor: Das Evangelium des 5. Sonntags nach Trinitatis steht geschrieben im Evangelium nach Lukas im 5. Kapitel. Es ist zugleich auch Predigttext

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.

Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.

Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.

Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!

Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.

Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.

Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.

Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“ 

Predigt 

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, wie es Ihnen ergeht, aber mir ist Petrus seltsam sympathisch. Er hat erlebt, wie Jesus heilt und fand das sicherlich in Ordnung. Er hat Jesu Predigt gehört und war sicherlich angetan. Aber erst als er am eigenen Leibe Jesu Macht über die Natur erfährt, erkennt er Jesus als ein göttliches Wesen an.

Er erfährt die Wunder Jesu in der eigenen Familie und hat Respekt vor ihm. Er hört seine Predigt und hält ihn für einen weisen Mann. Als Gott erkennt er ihn erst, als nach Jesu Wort die Natur Kopf steht.

Liebe Gemeinde,

wie vielen Menschen fällt es auch mir manchmal schwer zu glauben, dass Jesus nicht nur Mensch sondern auch Gott war. Viele Menschen wenden sich von der Kirche ab, weil sie die Idee unsinnig finden und Gott nicht erkennen können. Christen werden besonders hier in der Region verspottet, weil sie so irrational sind, an so etwas wie Gott zu glauben.

Die Geschichte erzählt uns. Dieser Zweifel ist nichts Besonderes. Diesen Zweifel hatten schon die Menschen, die zu seiner Zeit lebten und seine Wunder miterlebten und seine Lehre von seinem Mund hörten. Die Geschichte von Petrus erzählt uns, dass auch diese Menschen, selbst die engsten Vertrauten Jesu lange brauchten, um diesen Zweifel zu überwinden, und das Göttliche in Jesu zu erkennen. Jesu musste erst an ihnen ein Wunder vollbringen, damit sie ihn erkannten. Und als Petrus ihn erkannte und es mit der Angst bekam, weil er das Offensichtliche zuvor nicht gesehen hatte, verurteilt ihn Jesus nicht dafür. Sondern er sagt: „Fürchte dich nicht.“ Mach dir keine Sorgen, dass du mich zuvor noch nicht erkannt hast. Du hast die Zeit bekommen, die du gebraucht hast. Fürchte dich nicht, denn du konntest mich erst erkennen, als du bereit warst, mir zu vertrauen. Fürchte dich nicht, denn nur durch dein Vertrauen konnte ich meine Macht an dir beweisen.

Aber Jesus sagt auch: Jetzt, nachdem du mich erkannt hast, erkläre ich dir, welche Rolle ich für dich vorgesehen habe. Und erst jetzt, nachdem Petrus Jesus erkannte, ist er auch bereit diese Rolle zu übernehmen.

Liebe Gemeinde,

ich glaube, wenn wir manchmal zweifeln, dann spricht Jesus zu uns, fürchte dich nicht. Deine Zeit wird noch kommen. Aber ich glaube auch, dass wenn wir auf Jesus vertrauen, dann kann es passieren, dass er an uns ein Wunder vollzieht. Und wenn wir ihn dann erkennen, dann müssen wir auch bereit sein, die Rolle zu übernehmen, die er uns zugewiesen hat, um sein Reich hier auf Erden lebendig zu machen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Anstehende Veranstaltungen

Neuste Beiträge